fermate 2020

Kultur trotz(t) Corona

fermate – nach der fulminanten Premiere des Klassik-Festivals 2019 war schnell klar: Dies war kein "One-Hit-Wonder"!

Und so ging es recht zügig weiter mit den Vorbereitungen und Planungen für fermate 2020 im großen Beethoven-Jubiläumsjahr: Neue Spielstätten wurden gesucht und gefunden, Konzertprogramme ausgearbeitet, internationale Künstler eingeladen und deren Anreise und Unterkunft geplant, Sponsoren mit an Bord geholt, eine Beethoven-Cuvée kreiert und Etiketten entworfen. Zum Anfang des Jahres stand folgender Plan: 6 Konzerte an 4 Tagen an 5 verschiedenen Spielstätten mit 14 internationalen Musikern.

Doch dann kam alles anders. Eine Fermate über einer Note oder einem Akkord bezeichnet einen Moment des Innehaltens in der musikalischen Bewegung. Die Fermate ist ein Ruhepunkt, der die vorhandenen Energien bündelt, ein kraft- und erwartungsvolles Signal, das Raum schafft für Unvorhergesehenes, für eigene Ideen, für Improvisatorisches, für Experimentelles. Und genau dafür steht auch das Klassik-Festival fermate: Innehalten. Das ein gezwungenes Innehalten allerdings die ganze Welt im Frühjahr 2020 erfassen würde - damit hat niemand gerechnet.

Umdenken, nach Lösungen suchen und das Geschehen abwarten war das Gebot der Stunde, um dennoch ein wenig Kunst und Kultur in diesem tristen Jahr zu erleben und genießen. Das Ergebnis: fermate 2020 light - #KulturTrotzCorona.

Die Vorfreunde bei Organisatoren, Helfern, Künstlern und Konzertteilnehmern war groß und die Resonanz bemerkenswert: In weniger als 2 Tagen waren 400 Tickets verkauft - die Konzerte damit ausverkauft.

Die Organisation und Durchführung war nicht einfach: Es wurde ein Hygienekonzept nach den geltenden Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz erarbeitet. Die Anzahl der Plätze je Konzert wurde reduziert, so dass Abstandsregelungen eingehalten werden können. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer mussten vor Ort im Einsatz sein, um alle nötigen Maßnahmen umzusetzen. Und immer im Hinterkopf, dass die Konzerte trotz sorgfältiger Planung wetterbedingt oder auf Grund veränderter Corona-Regelungen kurzfristig abgesagt werden müssten.

Allen Widerständen zum Trotz hieß es dann am 28. August: Bühne frei für die Pfalz! 

An 2 Tagen konnten 4 Konzerte mit 7 hochkarätigen Musikern im Ortsmittelpunkt Birkweiler Open Air stattfinden. In diesem Jahr zu Gast auf der Bühne in Birkweiler: Tenor Werner Güra, Pianist Filippo Gamba, Cellist Florian Berner, Sopranistin Sara-Bigna Janett, Klarinettistin Laura Ruiz-Ferreres, sowie die Gastgeber Sopranistin Ilse Berner und Pianist Christoph Berner. Zu Ehren des Großen Künstlers, dessen 250-jähriges Jubiläum in diesem Jahre eigentlich noch viel mehr hätte gefeiert werden sollen, lautete das Programm am Freitagabend „Beethoven 250 – Forever Young“. Am Samstag lag der Schwerpunkt auf den Werken von Johannes Brahms mit dem Titel „Tanzbein und Spielbein“. Die Konzerte wurden jeweils zweimal am Tag zum Besten gegeben.

Und auch in diesem Jahr gelang es den Künstlern das weniger klassisch verortete Publikum behutsam abzuholen und ihm so Zugang zu dieser Musik zu geben, die häufig als altmodisch, verstaubt und steif betitelt wird - dies aber gar nicht ist. Und das konnte man deutlich spüren!

Nach den Konzerten ging es Wiener-Walzer-tanzend in Kleingruppen zum Konzert-Aprés auf dem Eichplatz, wo dann doch noch das Beethoven-Cuvée verkostet und gekauft werden konnte.

Es war ein nervenaufreibendes und aufregendes fermate-Jahr 2020. Unfassbar, dass trotz vieler Fragezeichen und kurzfristigen Planungen die Konzerte so stattfinden konnten. Der Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, den Sponsoren, den Künstlerinnen und Künstlern und allen Gästen, die mit ihrem einsichtigen Verhalten und ihrer ungetrübten Freude gemeinsam, aber auf Abstand das Klassik-Festival an der Südlichen Weinstraße 2020 gefeiert und zu einem (hoffentlich) einzigartigen Konzerterlebnis beigetragen haben.


Beethoven 250 - Forever Young


Tanzbein und Spielbein